Glaubenssätze erkennen: Warum dein Selbstbild hinterherhinkt

Mein Blog - Glaubenssätze erkennen: Warum dein Selbstbild hinterherhinkt

Ich war lange Zeit davon überzeugt, dass ich keine gute Schülerin bin. Was daran ein bisschen paradox ist? Inzwischen habe ich die Matura nachgeholt und ein Studium mit dem Master abgeschlossen. Nur mein Selbstbild hatte offenbar noch immer die Volksschule im Kopf. 😅

Doch beginnen wir ganz von vorne.

Wie aus einer begeisterten Schülerin eine schlechte wurde

Ich kann mich noch gut erinnern, wie motiviert ich in die erste Klasse gestartet bin. Ich schrieb ordentlich, erledigte meine Aufgaben gewissenhaft und machte sogar freiwillig Zusatzaufgaben. Ja, ich gehörte wirklich zu diesen Kindern, die mehr machten, als verlangt wurde.

Meine damalige Lehrerin hatte allerdings eine etwas andere Vorstellung von Motivation. „Kinder sollen früh lernen, dass es im Leben nicht für alles Lob gibt“, erklärte sie meiner Mutter. Also hielt sie sich mit Anerkennung ziemlich zurück.

Und irgendwann hielt ich mich mit meiner Begeisterung zurück. Wozu sollte ich mich besonders anstrengen, wenn es ohnehin keinen Unterschied machte? Ich erledigte nur noch das Nötigste, meine Leistungen wurden schlechter und irgendwann war ich überzeugt, dass ich eben keine gute Schülerin bin. Eine Überzeugung, die mich sehr lange begleiten sollte.

Wenn das Selbstbild nicht mitwächst

Viele Jahre später holte ich meine Matura nach, absolvierte ein Studium und hielt schließlich meinen Masterabschluss in den Händen. Spätestens jetzt hätte mein altes Selbstbild einsehen können, dass ich durchaus etwas lernen und schaffen kann. Nur tat es das noch nicht. 😉

Erst als ich begann, mich intensiver mit Glaubenssätzen auseinanderzusetzen, wurde mir bewusst, wie lange ich diese alte Überzeugung mit mir herumgetragen hatte. Ich begann zu hinterfragen, woher sie kam und ob sie überhaupt noch etwas mit der Frau zu tun hatte, die ich inzwischen geworden war. Das war eine spannende und zugleich befreiende Erkenntnis. Denn nur weil wir etwas schon sehr lange über uns glauben, bedeutet das noch lange nicht, dass es wahr ist.

Wie Glaubenssätze unser Leben beeinflussen

In der Psychologie nennen wir solche tief verankerten Überzeugungen Glaubenssätze. Viele davon entwickeln sich bereits in unserer Kindheit. Wir hören etwas, machen Erfahrungen und ziehen daraus unsere eigenen Schlüsse. Und weil wir als Kinder vieles noch nicht so einordnen können wie Erwachsene, entstehen manchmal Überzeugungen, die uns über Jahrzehnte begleiten.

Das Spannende daran ist, dass wir oft unbewusst nach Bestätigung dafür suchen. Wer beispielsweise glaubt, ungeschickt zu sein, merkt sich jedes noch so kleine Missgeschick. Die vielen Dinge, die problemlos gelingen, fallen hingegen kaum auf. So wird aus einem Gedanken mit der Zeit eine scheinbare Wahrheit.

Natürlich können Glaubenssätze auch hilfreich sein. Überzeugungen wie „Ich finde immer eine Lösung“ oder „Ich kann etwas dazulernen“ stärken unser Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Schwierig wird es, wenn uns alte Überzeugungen davon abhalten, Neues auszuprobieren oder unsere Möglichkeiten zu erkennen.

Alte Glaubenssätze erkennen und hinterfragen

In meiner Arbeit als psychosoziale Beraterin begegnen mir immer wieder Sätze wie:
„Ich bin halt so.“
„Das konnte ich noch nie.“
„Dafür bin ich einfach nicht gemacht.“

Gemeinsam schauen wir dann genauer hin. Woher kommt diese Überzeugung? Welche Erfahrungen haben sie geprägt? Und vor allem, wie viel Wahrheit steckt darin?

Manchmal genügt schon eine neue Perspektive, um etwas in Bewegung zu bringen. Andere Glaubenssätze sitzen tiefer und brauchen mehr Zeit und Aufmerksamkeit. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie überraschend es sein kann, wenn man plötzlich erkennt, dass das eigene Selbstbild längst nicht mehr zur heutigen Wirklichkeit passt und wie erleichternd es ist, wenn man beginnt, sich selbst mit anderen Augen zu sehen.

Welcher Satz begleitet dich?

Vielleicht gibt es auch in deinem Leben einen Satz, den du schon so oft über dich gedacht und auch gesagt hast, dass du ihn gar nicht mehr hinterfragst.
Vielleicht „Ich bin unmusikalisch“, „Ich trau mich das nicht“ oder
„Das liegt mir einfach nicht“?

Dann stell dir doch einmal ganz bewusst die Frage, woher du das weißt. Vielleicht stammt diese Überzeugung aus einer Zeit, in der du noch ein ganz anderer Mensch warst. Und vielleicht hat sich seither viel mehr verändert, als du dir selbst zugestehst.

Manchmal sind wir längst über uns hinausgewachsen. Nur unser Selbstbild hat es noch nicht mitbekommen. Wenn du merkst, dass dich alte Überzeugungen in deinem Leben bremsen, begleite ich dich gerne dabei, sie genauer anzuschauen und neue Perspektiven zu entdecken.

Alles Liebe
Evelin

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